Psychologie

Meine Freunde die Gefühle - Umgang mit «negativen» Gefühlen

Viele Menschen haben Angst vor ihren Gefühlen. Besonders wenn es sich dabei um Gefühle wie Einsamkeit, Traurigkeit, Wut oder Angst handelt, wünschen wir uns ihr baldiges Verschwinden herbei. Empfinden Sie genannte Gefühle als negativ oder schlagen Sie Ihnen lieber die Türe vor der Nase zu?

in vermeintlich negativen Gefühlen stecken wichtige Botschaften
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Autor:
Natalie Zumbrunn

Dieser Artikel zeigt ein anderer Blickwinkel auf vermeintlich «schlechte» Gefühle und plädiert für einen freundlicheren Umgang mit ihnen.

Die Psychologin Anita Johnston, die sich auf die Therapie von Essstörungen fokussiert, widmet dem Thema «Umgang mit Gefühlen» ein Kapitel in ihrem Buch «Die Frau, die im Mondlicht ass». Sie rät die gesellschaftlich als negativ bewerteten Gefühle wie Wut, Traurigkeit, Einsamkeit und Angst als Geschenke des Herzens zu betrachten.

Warum wir negative Gefühle nicht abblocken sollen

Die Befürchtungen, die an die «schlechten» Gefühle gekoppelt sind, führen dazu, dass wir die Gefühle ignorieren oder streng unter Kontrolle halten wollen. Oftmals wird befürchtet, dass das Zulassen von Wut in aggressivem oder verletzendem Verhalten endet. Wenn wir Gefühle abblocken, kann sich auf lange Sicht ein starker, diffuser Druck in uns aufbauen. Er ist diffus, weil mit dem Verdrängen von Gefühlen, die Ursache der Anspannung unnachvollziehbar wird. Der Druck kann sich in Spannungen, Nervosität, Gereiztheit oder auch körperlichen Beschwerden wie Magen- und Kopfschmerzen äussern.

Gaben der Gefühle

Wenn wir uns erlauben, Gefühle wie Angst, Einsamkeit, Wut oder Traurigkeit wirklich zu erleben, können wir ihre kostbaren Inhalte empfangen, die sie uns anzubieten haben. Wir entdecken, dass in jedem unserer Gefühle eine Perle innerer Weisheit steckt.

Wut kann Ihnen Klarheit und Kraft schenken. Wenn Sie Ihrer Wut nachgehen, entdecken Sie, was bei Ihnen das Fass zum Überlaufen bringt und damit wo Ihre Grenzen liegen. Wut kann Ihnen die Entschiedenheit und Kraft geben weiterzumachen und für sich einzustehen.

Angst wirkt auf den ersten Blick hemmend. Panik und Stillstand überkommen uns dann, wenn wir gegen die Angst ankämpfen, nicht der Angst wegen. Das Paradoxe an der Angst ist, dass sie sich verwandelt, wenn wir sie akzeptieren. Mit dem Zulassen unserer Angst finden wir heraus, was wir tatsächlich brauchen, um uns sicher zu fühlen. Die aus der Angst gewonnene Erkenntnis kann uns Vertrauen und Mut schenken.

Wenn wir uns Tränen aus Traurigkeit erlauben, können wir heilen. Traurigkeit lehrt uns Mitgefühl für uns selbst und andere.

Eifersucht kann uns klarmachen, was wir uns zutiefst wünschen.  Und Einsamkeit kann ein Geschenk der Selbsterkenntnis sein. Wenn wir uns erlauben, uns als einsam kennenzulernen, können wir herausfinden, wie und warum wir Distanz zu anderen halten.

Klopft das nächste Mal eins der genannten Gefühle bei Ihnen an, laden Sie es ein und fragen Sie es: «Was bringt dich hierher?». Lernen Sie das Gefühl kennen, gehen Sie mit ihm mit und behandeln Sie es mit Respekt. Gefühle sind wahre Freunde und da, um Ihnen zu helfen, Ihre Bedürfnisse näher und besser kennen zu lernen. Und das Beste daran: Sie werden merken, dass Gefühle vorübergehen. Sie durchfliessen uns und sind danach verschwunden.

Probieren Sie es aus und geniessen Sie die Leichtigkeit und Freiheit danach. Wir wünschen Ihnen viel neue Erkenntnisse dabei.

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